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Dank Backhendl sündenlos
Wie den Leuten in Seefeld das Beichten verging
ACHTUNG: Wenn Sie die Lautsprecher einschalten, wird Ihnen die Geschichte auch erzählt...
Es mag so Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen sein, als sich in Seefeld Folgendes zugetragen haben soll. D'Leut waren dort alle recht fromm, rannten sonntags regelmäßig in die Kirche und gingen eifrig dem Beichten nach. Von kleinen Sünden erzählten sie sich untereinander, wenn sie beieinander standen. Sünden, die eigentlich gar nicht der Rede wert und schon gleich gar nicht für den Beichtstuhl geeignet waren. Aber weil es halt so üblich war und der Vater des Großvaters ja auch schon im hiesigen Beichtstuhl auf schmerzhaften Knien sein schlechtes Gewissen erleichterte, wird das auch in alle Ewigkeit so bleiben. Dabei beichten die braven Menschen sowieso nur unwichtige Nebensächlichkeiten. Von Nachbars Kirschen gestehen sie, die verbotenerweise geradewegs als leckerer Brotaufstrich im eigenen Marmeladenglas gelandet sind oder aber von einer aufrichtigen Notlüge, die halt so hat sein müssen. Sagen d'Leut'.
So geht das Sonntag für Sonntag. Der Pfarrer kennt seine Schäfchen inwendig und könnt grad so gut aufs Zuhören verzichten und allumfassend gleich die Absolution erteilen. Zwei "Vater Unser", ein "Ave Maria" und zwei Rosenkränze. In den meisten Fällen sind ihm die Verfehlungen längst vom freitäglichen Stammtisch her bekannt.
Jedoch, es nutzt nichts. Es ist wieder einmal Sonntag. Und die rundliche Pfarrersköchin hat mit übertriebenem Eifer, auch weil sie ihrem Dienstherrn stets nur Gutes tun will, ein üppiges Mahl zubereitet. Der Pfarrer aber hockt seit Stunden im zugigen Beichtstuhl der alten Dorfkirche und ahnt durch seine lilaverhangenen Gitterstäbe die nicht enden wollende Schlange beichtbereiter Menschen. "Ein Jammer ist des", denkt er sich. Die Zeit des Abendessens rückt in greifbare Nähe, doch er muss sich eine Bagatelle nach der anderen anhören. Als ihm auch noch die Reißbacher Agathe soeben ausführlich gebeichtet hat, wie sie das Freitagsgebot mit einer Nudelsuppe aus Fleischbrühwürfeln verletzt hat, öffnet er mehr als unwirsch sein Fenster und schnauzt die anstehenden Sünder an: "So, jetzt bleibt bloß no da, wer a wirkliche Todsünd' hat!"
Die Wirkung war einschneidend. Denn, wer wollte schon vor den Augen aller als einziger Todsünder dastehen? Fluchtartig verließen Männlein und Weiblein den geheiligten Ort und der Pfarrer konnte pünktlich sein Backhendl verzehren. Seit jener Zeit aber, wenn es aus dem Pfarrhaus bereits am Vormittag nach einem leckeren Hendl riecht, seufzen die Leut' teils erleichtert, teils aber ob der nicht loszuwerdenden kleinen Sünden sorgenvoll: "Beicht'n derf heit nur, wer a Todsünd' hod" -