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Bierbrauen

GEMEINDEN > GILCHING

Die Pschorrs starteten in Gilching
Gilching - Die Gemeinde Gilching und deren Ortsteile Geisenbrunn und Argelsried waren spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestrebt, Gewerbe und Handel am Ort zu forcieren. Erleichternd kam hinzu, dass ab 1868 auf persönlichen Einfluss von König Ludwig II. die Gewerbeordnung gelockert wurde. Fortan durfte jegliches Gewerbe frei ausgeübt werden und auch im Dorfe mussten nur noch Apotheker und Kaminkehrer amtlich bestellt werden.
Gilching zählte um 1885 herum 550 Einwohner, die in 110 Häusern lebten. In Argelsried, wozu auch  Geisenbrunn gehörte, waren es 24 Häuser und 110 Personen; St. Gilgen zählte sieben Häuser und 40 Einwohner. Mittelpunkt des Dorfes war damals die Taferne (heute der "Obere Wirt"
) an der St. Vitus-Kirche, rund eine halbe Wegstunde von der Landstraße München-Landsberg entfernt.
Mit welch kuriosen Angelegenheiten sich seinerzeit der Dorfbürgermeister befassen musste, hielt Peter Iohn in seiner "Landschafts- und Dorfgeschichte" fest. Ein gewisser Gärtner namens Schatz aus München wollte damals Fräulein Keller aus Gilching ehelichen. Weshalb er Antrag stellte, "behufs dieses Zweckes" 200 Goldmark Aussteuer aus der Gemeindekasse locker zu machen. Iohn: "Dem Bürgermeister samt Gemeindausschuss blieb zunächst einmal die Spucke weg ob derartiger Unverfrorenheit. Dann fasst man sich wieder und danach den Beschluss, dieses Ansinnen mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen."
Den wenigsten Bürgern dürfte bekannt sein, dass in Argelsried das Stammhaus der Bierbrauerfamilie Pschorr gestanden hatte.  Schon seit 1570 lebten die Pschorrs in der Gegend um Gilching. "Wobei sie vor Ort niemals Bier brauten", stellt Chronist Rudi Schicht fest.
Dennoch hatte Argelsried eine eigene Brauerei. Gegründet wurde sie 1870 gegenüber des Römersteins vom Ehepaar Franziska und Ludwig Pölz. Im Jahr 1887 stirbt "der Bräu" Ludwig Plötz. Seine Witwe heiratete zwei Jahre später Mathias Stocker, vormals Braumeister der "Argelsrieder Brauerei". Nach dessen Tod im Jahr 1910 verkauft die Witwe Stocker den Besitz an das Ehepaar Engelbert und Maria Koch. 1912 wird die Brauerei aufgelassen und das Bierbrauen für immer eingestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg mietete sich die "Bayerische Warenvermittlung" (Baywa) in den leerstehenden Räumen ein. Bis vor 2004 erinnerte lediglich noch die dazugehörige "Argelsrieder Gaststätte" an das ehemalig Brauhaus. Inzwischen ist auch das letzte Relikt einer bierseligen Vergangenheit abgerissen und einem modernen Neubauviertel gewichen.

 
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