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Fräuleinwunder

GEMEINDEN > GILCHING

DAS FRÄULEINWUNDER IN GILCHING
Gilching - In jüngster Zeit ist immer wieder die Rede davon, dass sich Gilching zu einem Klein-Chikago entwickelt. Und auch die Polizei räumt ein, dass die Gemeinde durchaus als "gefährliches Pflaster" einzustufen ist. Zumal einige Banken und Supermärkte überfallen wurden. Wer jedoch annimmt, dass Raub, Überfall und unsittliche Übergriffe unschöne Erscheinungen unserer Zeit und in Verbindung mit dem schnellen Wachstum der Gemeinde zu bringen sind, irrt.
Rund 250 Fräuleins im Dienst der Nächstenliebe
Vor genau 60 Jahren schon musste sich die übergeordnete Kreisbehörde wegen der untragbaren Zustände in Gilching einmischen. Kreisrat Rudi Schicht, seinerzeit Schulleiter in Gilching, hatte im Oktober 1948 Antrag gestellt, gegen die "Missstände der öffentlichen Kuppelei, hauptsächlich in den angrenzenden Gemeinden des Flugplatzes Oberpfaffenhofen, umgehend Schritte zu unternehmen." Als unlösbares Problem erwiesen sich die in Gilching "ohne polizeiliche Meldung hausenden rund 250 Fräuleins". Ihre Domäne befand sich in der Waldkolonie; dort, wo die amerikanischen Besatzer etliche Wochenendhäuschen beschlagnahmt hatten. "Schließlich bevölkerten diese Damen auch Schlaf- und Wohnzimmer sowie Küchen ansonst ehrbarer Bürger", hielt Chronist Peter Iohn im "Landschafts- und Dorfgeschichtenbuch" fest. Gelang es einerseits der Gemeindever-waltung, die Frauenzimmer irgendwie abzuschieben, so wuchsen sie andernorts und zahlreicher als zuvor, nach. Wie bei der berüchtigten Hydra die Köpfe.
Mietpreise orientierten sich Naturalien

Ähnliches berichtete Rudi Schicht in der Gilching-Chronik. Die so genannten ehrbaren Bürger seien gar nicht so ehrbar und auch nicht abgeneigt gewesen, ihre Zimmer den "Fräuleins" und ihren amerikanischen Liebhabern zur Verfü-gung zu stellen. Als "Miete" gab es Schokolade, Zigaretten, Kaugummi, wohl-riechende Seifen oder aber auch amerikanische Dollars. Während Kinder- und Schlafzimmer zweckentfremdet wurden, wurde der Nachwuchs bei den Großeltern oder im provisorisch ausgebauten Dachstuhl ausgelagert.   
Zwecklose Ausweisung

Der damalig Landrat Max Irlinger, den Schicht um Hilfe im Kampf gegen die Unsittlichkeit gebeten hatte, hatte sich "dieserhalb bereits mit dem Direktor der Militärregierung in Verbindung" gesetzt. Die anschließende Razzia wurde in Kooperation mit der Militärpolizei und der Polizei Gilching, ja damals gab es noch eine Inspektion in Gilching, durchgeführt. Die "angetroffenen Fräuleins" aber wurden in das Flüchtlingslager Dachau abtransportiert. Schicht: "Das gan-ze war ein großer Reinfall. Schon einen Tag später holten dieselben Militärpolizisten, die bei der Abschiebung dabei waren, ihre Fräuleins wieder zurück nach Gilching." Uli Singer


 
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