130 Jahre Schifffahrt Ammersee
Stegen - Am 1. Juni 2009 ist es 130 Jahre her, dass die fahrplanmäßige Schifffahrt auf dem Ammersee eröffnet wurde. Vom 1. Juni 1879 an nämlich wurden täglich von Stegen aus drei Fahrten angeboten. "Marie", das erste Flaggschiff der Ammerseeflotte wurde nach der Königinmutter getauft und fasste 150 Personen. Das Fischerdorf Stegen, fortan Ziel vieler Ausflügler, blühte auf. Erst recht, als ein Jahr später mit der "Marie Therese" über die Amper eine direkte Verbindung zum neuen Bahnhof Grafrath geschaffen wurde. "An manchen Sommerwochenenden fuhren so viele Münchner über Grafrath an den Ammersee, dass der Flussdampfer sogar Transportkähne ins Schlepp nehmen musste", schreibt Robert Volkmann in der Jubiläumsausgabe anlässlich 125 Jahre Schifffahrt Ammersee mit dem Titel "Vom Einbaum zum Dampfschiff - Der Ammersee".
Mit dem stetig wachsenden Touristenansturm wuchsen auch die Begehrlichkeiten der an den Anlegestellen ansässigen Wirte, die laut Volkmann ihre Preise deutlich anhoben. "Eine Lokalzeitung hat die Wirte sogar diesbezüglich ermahnt und nach besserer Bedienung verlangt."
Mit den so genannten Sommerfrischlern war jetzt auch das von Otmar Schreyegg 1890 am Stegener Berg erbaute Brauhaus gut ausgelastet. Nach dessen Eröffnung schrieb der Land- und Seebote: "…handelt es sich bei der neuen Brauerei um einen stattlichen Bau, der sowohl hinsichtlich seiner Größe und Schönheit, als auch wegen seiner herrlichen, den See und das Amperthal beherrschenden Lage, allgemein Bewunderung erregt". Das Eis zur Kühlung der Ware im so genannten Sommerkeller holte man bereits im Winter aus dem Umkehrbecken der Amperschiffe. Es handelt sich dabei um die Fläche, die inzwischen zugekiest ist und heute den Ausflüglern und Schifffahrtsgästen als Parkplatz dient.
Ein Fahrplan von 1895 (1. Juni bis 28. September) beweist, dass durchaus gute Verbindungen zwischen der Landeshauptstadt München und dem neuen Verkehrsknotenpunkt Stegen bestanden: Abfahrt München (mit der Bahn) 5.44 Uhr; Ankunft Grafrath 6.35 Uhr; Abfahrt Grafrath (mit dem Flussdampfer) 6.55 Uhr; Ankunft Stegen 7.20 Uhr. Von Stegen aus konnte man dann ab 7.25 Uhr eine Rundfahrt auf dem Ammersee machen. Der Service wurde bis sechs Uhr abends angeboten - bis auf wenige Ausnahmetage. Wurde vor der Eröffnung der fahrplanmäßigen Schifffahrt mit dem nicht ganz seetüchtigen Dampfer "Omnibus" lediglich das Westufer angelaufen, fand erstmals mit der "Marie" auch eine Verbindung zwischen Stegen und dem Ostufer statt. Anlaufstellen waren Herrsching, Fischen, Breitbrunn, Buch und Mühlfeld. Letztere galt als Aussteigeplatz für die zahlreichen Andechser Pilger. Das jüngste Schiff der Ammerseeflotte ist die MS Augsburg, die zu ihrer Jungfernfahrt am 30. April 2008 einlud.