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Schloss

GEMEINDEN > SEEFELD > GRAFEN ZU SEEFELD

Die Geschichte eines edlen Adelsgeschlecht
Hoch oben auf dem Bergsporn einer Gletscherzunge nahe des Pilsensee ist das Markenzeichen von Seefeld weithin sichtbar: Das Stammschloss der Grafen zu Toerring-Jettenbach, deren Geschichte untrennbar mit der Entwicklung der Gemeinde verknüpft ist (siehe Foto rechts). Im Jahr 1472 noch als Burg aus dem Besitz der Gundolfinger in das Eigentum der Grafen übergangen, wurde es 1479 zu einem wohnlichen Schloss umgebaut. Mit dem Bau der ersten Seefelder Badestube im Jahr 1791 waren die Toerrings schon damals ihrer Zeit weit voraus. Aber auch als einer der größten Arbeitgeber im westlichen Landkreis spielte das Schloß bis Anfang dieses Jahrhunderts eine bedeutende Rolle;  Forst- und an zweiter  Stelle Landwirtschaft waren die wichtigsten Einnahmequellen.   
Ende der Landwirtschaft

Erst Hans Heribert Graf zu Toerring-Jettenbach, der Vater des jetzigen Grafen Hans Caspar, gibt in den 70iger Jahren den
landwirtschaftlichen Betrieb wegen des rückläufigen Nutzens auf. Seinen früheren Bediensteten überläßt er an der heutigen Hubertusstraße zu einem günstigen Preis Land für den Bau von Eigenheimen. Im Jahr 1972 trennt er sich von Gut Delling (Foto) und verkauft das landwirtschaftliche Anwesen zwischen Meiling und Weßling an die Stadt München, die es bis heute betreibt. Die restlichen landwirtschaftlichen Flächen werden verpachtet.
Umzug nach Dünzelbach

Bis 1976 wohnten die Toerrings im Schloß. Vielen älteren Seefelder ist der "alte Herr Graf" noch gut in Erinnerung, wie er durch den Ort spazierte "um hin und wider nach dem Rechten zu schauen". Eine Renovierung des Schloßareals nach heutigen Anforderungen hätten jedoch den finanziellen Rahmen des gräflichen Haushalts gesprengt. Deshalb siedelte die Familie 1976 in nach Dünzelbach in den Landkreis Fürstenfeldbruck über. Lediglich ein Büro behält der jetzige Graf bei.
Die Wittelsbacher

In Dünzelbach stirbt Hans Heribert 1977 im Alter von 74 Jahren nach einem schweren Verkehrsunfall. Da in der Oberaltinger Familiengruft kein Platz mehr ist, wird er als erster Seefelder Graf auf dem Dünzelbacher Friedhof bestattet. Erst in jüngster Zeit stellten die Toerrings einen Antrag auf Errichtung eines Privat-Friedhofs im Schloßpark zwischen Seefeld und Widdersberg. Er wird auf einer Anhöhe in direkter Linie zum Heiligen Berg entstehen - in alter Verbundenheit zum Kloster Andechs. Die Toerrings waren von jeher treue Gefolgsleute der Wittelsbacher, die als Gründer und Wohltäter des Stifts in die Geschichte eingegangen sind. Ist die neue Begräbnisstätte der Toerrings fertig gestellt, wird Graf Hans Heribert umgebettet und nach Seefeld heimgeholt.  
Ärger wegen Campingplatz

Probleme bekam das gräfliche Haus, in dessen Besitz noch der Wörthsee und Pilsensee ist, vor rund zehn Jahren. Die Obrigkeit entdeckte, daß für den vom Rentamt verwalteten Campingplatz am Pilsensee zwar Baugenehmigungen für die Restauration, das Kassenhäuserl und den Kiosk vorliegen, jedoch keine Zulassung für den Cam-pingplatz selbst. Seit 1924 gab es dort zwar eine Badeanstalt, zu der an schönen Wochenenden bis zu 6000 Münchner radelten. Die "1000 wilden Camper" allerdings hatten sich erst seit Mitte der 50iger Jahre heimisch eingerichtet.
Ein langjähriger Gerichtsstreit folgte, in zweiter Instanz wurde vor zwei Jahren ein Vergleich geschlossen. Bis zum Jahr 2011 dürfen die derzeit 400 Dauercamper  bleiben, danach muss der Campingplatz aufgelöst werden.
Schlossareal wird belebt
 
Hans Caspar Graf zu Toerring-Jettenbach kümmert sich derweilen  um die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Schlosses und die Belebung des Schlossareals. Anfang der 90iger Jahre zog im Nordtrakt des Schlosses eine Zweigstelle des Staatlichen Völkerkundemuseums München ein. 1994 wurde das neu renovierte Sudhaus und Bräustüberl in Anwesenheit des Priors von Andechs, Pater Anselm Bilgri, feierlich eröffnet. Im Sudhaus finden inzwischen hochkarätige Konzerte, Ausstellungen und Kabarett-Abende statt. Auch im großzügig angelegten Biergarten, in dem ein seit Jahrzehnten durch Kalkablagerungen wachsender Brunnen Anziehungspunkt vieler Ausflügler ist, gibt es regelmäßige Aufführungen und seit heuer auch ein Open-Air-Kino. Erstmals in diesem Jahr wird auch der traditionelle Christkindlmarkt statt am Rathaus im idyllischen Schlosshof seine Holz-Buden aufstellen.
Seit Januar '99 wartet das Schlossareal mit einem weiteren Highlight auf:
Das legendäre Kino "Breitwand" ist in die ehemaligen Wirtschaftsräume der Toerrings eingezogen und bietet ausgesuchtes Programm-Kino. Daneben gibt es im und rund ums Schloss eine Gold- und Silberschmiede, eine Galerie, eine Kunstschmiede, den gemütlichen Laden, der sich  Klostergarten nennt, einen Geschäft für "Textiles Wohnen" und ein Blumengeschäft.
Und wer etwas Geduld aufbringt, sich gemütlich irgendwo auf dem einladenden Schlossareal niederlässt, dem begegnet bestimmt auch seine Erlaucht, Graf Hans Caspar Graf zu Kastellan Toerring-Jettenbach. Ein würdiger Nachfolger eines großen Geschlechts, dem wie einst vielen seiner Vorfahren das Wohl der Seefelder Bürger am Herzen liegt.
In Kooperation der Schloßgemeinschaft Seefeld ist übrigens ein Buch mit dem Titel "Schloß Seefeld - Kultur und Lebensart am Pilsensee" erschienen. Erhältlich ist es zum Preis von 7,95 Euro im Klosterladen von Brigitte Egger (siehe Foto oben links
).

 
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