Herzlich Willkommen...

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

TISCHZUCHT

KURIOS

HANS SACHS UND DIE TISCHSITTEN

Über Jahrhunderte haben sich die Tischsitten entwickelt. Manches hat sich verändert. Und dennoch gilt auch heute noch fast alles, was Hans Sachs vor mehr als vierhundert Jahren forderte. Sicher, wir essen nicht mehr mit bloßen Händen aus einer Schüssel, aber saubere Hände und Fingernägel werden immer noch verlangt.
Den nebenstehenden Text verfasste der Schuhmacher und Meistersinger Hans Sachs aus Nürnberg m 16. Jahrhundert als fliegendes Blatt. Darin hielt er die Tischzucht der Handwerker seiner Zeit fest.

Hans Sachs wurde am 5. November 1494 in Nürnberg geboren.
Er war der Sohn eines Schneiders und besuchte die Lateinschule in Nürnberg. Mit 14 Jahren kam er zu einem Schuhmacher in die Lehre. Der Weber L. Nunnenbeck unterrichtete ihn im Meistersingen. Mit 17 Jahren trat er eine Wanderschaft durch Deutschland an, sie dauerte 4 Jahre. 1517 wurde er Meister in Nürnberg. Hans Sachs setzte sich für Dr. Martin Luther und die Reformation ein (Die Wittembergische Nachtigall, 1523) und entnahm die Themen seiner Dichtungen oft aus der Bibel, aber auch von Schriftstellern des Altertums und aus Sagen. Auch aktuelle Ereignisse, politische und soziale Themen wurden von ihm verarbeitet. Hans Sachs schrieb über 4000 Meisterlieder und 85 Fastnachtsspiele. Seine heute bieder anmutende Knittelverssprache und drastische Komik spiegeln ebenso wie seine lehrhaft-satirischen Spruchgedichte die Lebensansichten des handwerklichen Stadtbürgertums.
Hans Sachs starb am 19. Januar 1576 im Alter von 82 Jahren in Nürnberg.
Das Portrait entstammt dem Buch "Zweihundert deutsche Männer", herausgegeben von Ludwig Bechstein, Leipzig 1854



Hör Mensch, so du zu Tisch willst gan,
Dein Händ sollst du gewaschen han.
Lang Nägel ziemen auch nit wohl,
Die man heimlich abschneiden soll.
Am Tische setze dich nicht obenan,
Der Hausvater wollt das selber han.
-
Dem Ältesten anfangen laß,
Danach iß züchtiglicher Maß.
Nit schnaube oder säuisch schmatz,
Nit ungestüm nach dem Brote platz,
Das du kein Geschirr umstoßen tust.
Das Brot schneid nit an deiner Brust
-
Greif auch nach keiner Speise mehr,
Bis dir dein Mund sei worden leer,
Red nie mit vollem Mund, sei mäßig,
Sei in der Schüssel nit gefräßig.
-
Und kaue mit verschlossnem Mund,
Schlag nit die Zung aus gleich eim Hund
Zu lecken. Tu nit geizig schlingen.
Und wisch den Mund, eh du willst trinken,
Dass du nit schmutzig machst den Wein.
Trink sittlich und mit Lust darein.
-
Gezänk am Tisch gar übel stat,
Sag nichts, darob man Grauen hat.
Am Kopf sollst du dich auch nit krauen.
Desgleichen sollen Jungfrauen und Frauen
Nach keinem Floh hinunterfischen.
Am Tischtuch soll sich niemand wischen.
Und leg dein Kopf nit in dein Händ,
Lehn dich nit hinten an die Wänd.
-
Danach sollst du vom Tisch aufstehen.
Dein Händ waschen und wieder gehen
An dein Gewerb und arbeiten schwer.
So spricht Hans, der Schuhmacher.

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü