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Werner Bülow

HEIMATSCHREIBER

Werner Bülow
Werner Bülow, geboren 1918, Wirtschaftsjurist und Historiker aus Leidenschaft, vor allem aber langjähriger Wörthseer Bürger, lebt heute in einem Seniorenstift in Herrsching am Ammersee. Keineswegs im Ruhestand, sondern nach wie vor sehr aktiv. Aus seiner Feder stammen unter anderem "Der Eremit aus Gauting", “Wörthsee einst und jetzt” , “Der Wörthsee und seine Umgebung im Wandel der Zeiten”  und "Wörthsee und seine Umgebung - Streifzüge durch die Heimatgeschichte". Foto unten mit Bürgermeister Peter Flach (links) bei der Übergabe im Rathaussaal in Wörthsee. Andere Titel Bülows, wie “Wörthsee in alten Ansichten” sind nur noch antiquarisch erhältlich, die Suche lohnt sich aber in jedem Fall.


Bülow (rechts neben Wörthsees Bürgermeister Peter Flach) zum Thema Heimatgeschichte:
Wozu Heimatgeschichte?
Das wird sich der eine oder andere vielleicht schon einmal gefragt haben. Ist es denn wirklich so wichtig, daß ich mich darin einigermaßen auskenne?
Ich denke schon, daß es zumindest nützlich ist, sich ein wenig damit zu beschäftigen. Wenn es jemanden an einen fremden Ort unter fremde Menschen verschlägt, wird dies besonders deutlich. Er kann dann die Erfahrung machen, daß er die Menschen und die Verhältnisse seiner neuen Umgebung besser verstehen wird, sobald er sich von der geschichtlichen Entwicklung seines neuen Lebenskreises einige Kenntnis verschafft hat. Und er wird sich damit leichter einleben.

Im Prinzip ist dies nicht anders, als wenn man eine Beziehung zu einem bisher unbekannten Menschen aufnimmt. Dann möchte und sollte man ja auch wissen, wo der andere herkommt und was er für eine Vergangenheit hat.

Ich möchte meine Behauptung an einem Beispiel, einer persönlichen Erfahrung veranschaulichen.
Mein erster Besuch in München

In meiner Erlanger Studienzeit gehörte ich dem ASTA, der allgemeinen Studentenvertretung, an, mit dem Referat Studienreisen, damals in die USA. In dieser Aufgabe hatte ich einmal eine Dienstreise nach München zum amerikanischen Generalkonsulat zu unternehmen. Es war mein erster Besuch Münchens. Da mir bis zur Heimfahrt nach Erlangen ein paar Stunden Zeit blieben, nahm ich mir vor, das Stadtzentrum etwas näher zu erkunden. So schlenderte ich vom Marienplatz ein Stück in alle Himmelsrichtungen, und dabei machte ich eine mich irritierende, ja  befremdende Feststellung. Mitten im Verlauf – wie es schien –
einer Straße wechselte der Straßenname. Aus der Kaufinger Straße geriet ich unversehens in die Neuhauser Straße, aus der Wein- in die Theatinerstraße, aus der Diener- in die Residenzstraße, aus der Rosen- in die Sendlinger Straße, obwohl im letzteren Fall die Straße an der Schnittstelle immerhin einen Knick aufweist, sodaß hier der Namenswechsel nicht so überrascht. Ich dachte mir: »So wird einem Fremden die Orientierung nicht gerade leichtgemacht« und ärgerte mich darüber.
Die Stadtmauer von München
Als ich einige Jahre später mit meiner Familie aus beruflichen Gründen nach München zog und, wie ich es mir zur Gewohnheit gemacht hatte, als erstes eine Stadtchronik von meinem neuen Wohnort beschaffte, fand ich eine recht einleuchtende Erklärung für diese mir zunächst so seltsam erschienene Namensgebung für Straßen, sodaß sich diese plötzlich in einem ganz neuen, ja interessanten Licht sehen ließ. Da, wo die Namen im Lauf eines doch als Einheit erscheinenden Straßenzuges wechselten, befand sich der allererste Mauerring der Stadt, der im 12. Jahrhundert noch zur Zeit Herzog Heinrichs des Löwen [1158–1180] entstanden war. Und obwohl heute von dieser Stadtmauer auch nicht ein Stein mehr zu sehen ist, kann man anhand dieser Namensschnittstellen noch in etwa ihren Verlauf verfolgen, auch von einem ehemaligen Stadttor zum entgegengesetzten den Durchmesser der vor mehr als 800 Jahren noch in ihren Kinderschuhen steckenden Stadt durchschreiten. Man braucht dafür kaum einmal zehn Minuten. Auf diese Weise kann man sich heute noch eine plastische Vorstellung von der Größe Münchens vor mehr als 800 Jahren machen. Muß man dafür nicht den Stadtvätern Münchens, die für diese Namensgebung verantwortlich sind, dankbar sein?
Geschichte gleichermaßen nützlich für Fremde wie für Einheimische

Aber nicht nur für den Fremden, der sich in seiner neuen Umgebung zurechtfinden und einleben möchte, ist es nützlich, sich mit der Geschichte seiner neuen Umgebung vertraut zu machen. Nicht minder tut der Einheimische gut daran, sich von der Entwicklung seiner Heimat im Laufe der Zeiten ein Bild zu machen. Auch er wird sich manches Gegenwärtige dann besser erklären können und seine Heimatverbundenheit müßte ihn eigentlich ohnehin dazu drängen.Vor allem jedoch sei die Beschäftigung mit der Heimatgeschichte all denen ans Herz gelegt, die mit der Lenkung der Geschicke des betreffenden Orts beziehungsweise der betreffenden Region betraut sind.
Heimatgeschichte schöpferische Tätigkeit

»Geschichte« kann man als den Erfahrungsschatz der jeweiligen Gemeinschaft (Ort, Gemeinde, Landkreis) ansehen. Aus Erfahrungen aber kann und sollte man lernen. Man muß sie dazu nur im Gedächtnis haben. Im Leben eines Einzelnen ist das im allgemeinen kein Problem. Er hat das Erlebte im Kopf. In einer Gemeinschaft mit stets wechselnder Zusammensetzung und Führung ist das jedoch anders. Hier hilft im allgemeinen nur das »geschriebene Gedächtnis«, eine Chronik.
Schließlich ist die Heimatgeschichtsforschung deshalb auch ein reizvolles Arbeitsfeld, weil sie eine schöpferische Tätigkeit und überdies verdienstvoll und förderungswürdig ist, da sie dazu beiträgt, der Gemeinschaft, der sie dient, ihr »Gedächtnis« zu bereichern.
Mögen sich daher immer wieder rührige und befähigte Köpfe finden, das Feld der Heimatgeschichte rund um den Wörthsee und inbesondere unserer Gemeinde Wörthsee zu beackern.

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