Inning - "Die Suppe auslöffeln" und "gegessen wird, was auf den Tisch kommt". Be-merkungen zur Ernährung, die noch aus einer Zeit stammen, als die Küche alleiniges Reich der Hausfrau war. Der Inninger Historiker Robert Volkmann hat sich die Mühe gemacht, Einblick in die regionalen Eßgewohnheiten früherer Zeiten zu geben. "Men-schen, die sich gelegentlich die gute alte Zeit zurück wünschen, kann man recht einfach wieder in unsere Realität zurückholen, indem man ihnen zeigt, was in dieser verklärten Zeit als Essen auf den Tisch gekommen ist", stellt Volkmann in Kapitel 3 der "Inninger Geschichten - Spurensuche - Fundsachen" fest. Kraut war beispielsweise neben Getrei-de und Milch der dritte Pfeiler in der ländlichen Küche. Und dies 365 Mal im Jahr. "Mittags zu den Topfennudeln Sauerkraut, abends zu den Roggennudeln Sauerkraut", bringt es Volkmann auf den Punkt.
In den alten Katasterkarten von Inning, die erste ist um 1810 entstanden, sowie den entsprechenden Inventaren tauchen zwei Krautgartenanlagen mit einer Vielzahl von Besitzern auf. Diese, gegen das Wild sorgsam eingehegten Flächen, enthielten unter-schiedlich große Anbauflächen für Kraut und Rüben. Im Flurkartenverzeichnis für den Ort Inning tauchen allein sechzehn Bezeichnungen für das Kraut als Sammelbezeich-nung auf: Darunter Weißkraut und Rüben, gelbe wie weiße, auch Rettiche, durchaus auch Saubohnen, Lauch und Porree, wobei Weißkraut den größten Anteil hat. Schon damals wird auf das vitaminreiche Gemüse, das unter anderem zur Entschlackung dient, aufmerksam gemacht. "Günstig sind auch die vielen Ballaststoffe, die wie ein Darmbesen wirken und den Körper entschlacken", stellte die staatliche Beratungsstelle für Ernährung und Hauswirtschaft fest.
Bedauerlich findet Volkmann, dass so manche auf das Essen bezogene Redensart aus dem Sprachgebrauch verschwindet. Jemandem das Kraut ausschütten ist gleichbedeu-tend mit sich unbeliebt machen. Der Krautstampfer allerdings ist in der Damenwelt ein wenig schmeichelhafter Begriff für allzu stramme Waden. Innings Arzt Joseph Bals veröffentlichte anno 1860: "Die Nahrungsweise ist wie in der ganzen Gegend, nämlich vorherrschend vom Pflanzenreich. Es ist üblich dass man in der Kost in der Art wech-selt, dass man am Mondtag sich mit sogenannten Wollnudeln aus Kernmehl, am Diens-tag mit Knödeln und Weißbrot oder Semmeln, am Mittwoch wieder mit Wollnudeln und so die Woche hindurch abwechselnd reichlich ersättigt." Als Zuspeise diente, wie bereits vermerkt, Kraut in jeglicher Form. Kindern im ersten Lebensjahre jedoch wurde ein Mus aus Mehl und Milch verabreicht, oft auch als Musschnuller. Pfarrer Heinrich Gietl aus Hechendorf merkte dazu an: "Reinlichkeit wäre recht zu empfehlen, indem den Kindern das Mus mit dem Finger in den Mund gestrichen wird."